Winterruhe im Koiteich – Was passiert unter dem Eis?
Koi überwintern: Stoffwechsel, Fütterung & Teichpflege im Winter
Wenn die Temperaturen fallen und der erste Frost die Teichoberfläche berührt, beginnt für Ihre Koi eine faszinierende biologische Transformation. Doch was geschieht wirklich unter der Eisdecke? Warum wird die Fütterung zur Gefahr – und wie können Sie als Teichbesitzer Ihre wertvollen Fische sicher durch die kalte Jahreszeit bringen? Die Antworten auf diese Fragen entscheiden oft über Leben und Tod Ihrer Koi.

Winterliche Ruhe: Kois überdauern die kalte Jahreszeit im teilweise zugefrorenen Teich.
Die Biologie der Koi im Winter – Ein faszinierender Überlebenskampf
Koi sind wechselwarme Tiere, das bedeutet, ihre Körpertemperatur passt sich der Umgebungstemperatur an. Im Gegensatz zu warmblütigen Tieren können sie ihre Körperwärme nicht selbst regulieren. Diese biologische Eigenschaft ist der Schlüssel zum Verständnis der Winterruhe und erklärt, warum eine angepasste Pflege in den kalten Monaten so entscheidend ist.
Sobald die Wassertemperatur unter 10 Grad Celsius fällt, beginnt der Stoffwechsel der Koi sich drastisch zu verlangsamen. Bei etwa 8 Grad Celsius erreicht er einen Zustand, den Experten als Winterstarre oder Torpor bezeichnen. In diesem Zustand reduziert sich die Herzfrequenz auf wenige Schläge pro Minute, die Atmung wird flacher, und die Fische verharren nahezu bewegungslos in den tiefsten Bereichen des Teiches.
Expertenwissen: Die Temperaturschichtung im Teich spielt eine entscheidende Rolle für das Überleben der Koi. Wasser hat seine größte Dichte bei 4 Grad Celsius. Deshalb sinkt das 4-Grad-warme Wasser zum Grund, während kälteres Wasser an der Oberfläche gefriert. In der Tiefe finden die Koi also wärmere Bedingungen als direkt unter dem Eis.
Was passiert im Körper der Koi bei Kälte?
Der verlangsamte Stoffwechsel betrifft alle Körperfunktionen der Koi. Die Verdauungsenzyme, die normalerweise das Futter in verwertbare Nährstoffe umwandeln, arbeiten bei niedrigen Temperaturen nur noch minimal oder stellen ihre Aktivität vollständig ein. Der Darm wird träge, die Darmflora verändert sich, und der gesamte Verdauungstrakt geht in einen Ruhezustand über.
Gleichzeitig verändert sich die Zusammensetzung des Blutes. Die Anzahl der roten Blutkörperchen nimmt zu, um die reduzierte Sauerstoffaufnahme zu kompensieren. Das Immunsystem fährt ebenfalls herunter, was die Fische anfälliger für Krankheitserreger macht, die bei niedrigen Temperaturen überleben können.

Ein gut geplanter Koiteich bietet mit ausreichender Tiefe sichere Überwinterungsbedingungen.
Warum keine Fütterung unter 8 Grad Celsius?
Die Regel, unterhalb von 8 Grad Celsius nicht mehr zu füttern, basiert auf grundlegenden Erkenntnissen der Fischphysiologie. Bei diesen Temperaturen produzieren die Verdauungsdrüsen kaum noch Enzyme. Gefüttertes Futter wird nicht mehr verdaut, sondern beginnt im Darm zu gären und zu faulen.
Die Folgen sind gravierend: Giftige Gärprodukte belasten den Organismus, Bakterien können sich im Darm ausbreiten, und der Fisch kann an einer Verstopfung oder inneren Vergiftung sterben. Erfahrene Koizüchter berichten von Fällen, in denen wohlmeinende Teichbesitzer ihre Fische im Winter fütterten und im Frühjahr massive Verluste hinnehmen mussten.
Warnung: Auch wenn Ihre Koi an milderen Wintertagen an die Oberfläche kommen und nach Futter zu suchen scheinen, widerstehen Sie der Versuchung! Dieses Verhalten ist ein Reflex und kein Zeichen von Hunger. Die Fische leben in dieser Zeit von ihren Fettreserven, die sie im Herbst aufgebaut haben.
Die Temperatur-Fütterungstabelle für Koi
Als erfahrener Teichbesitzer sollten Sie die folgenden Temperaturgrenzen kennen und strikt einhalten:
- Über 18 Grad Celsius: Normale Fütterung mit hochwertigem Hauptfutter, mehrmals täglich kleine Portionen möglich
- 15 bis 18 Grad Celsius: Reduzierte Fütterung, leicht verdauliches Futter bevorzugen
- 10 bis 15 Grad Celsius: Herbstfutter mit hohem Weizenkeimanteil, nur noch ein- bis zweimal täglich
- 8 bis 10 Grad Celsius: Minimale Fütterung, Weizenkeimfutter, nur bei stabilen Temperaturen
- Unter 8 Grad Celsius: Keine Fütterung! Die Fische befinden sich in der Winterruhe

Koi-Fütterung erfordert die richtige Technik und Portionierung – besonders in der Übergangszeit.
Die Bedeutung der Teichtiefe für die Überwinterung
Für eine sichere Überwinterung von Koi im Gartenteich ist die Wassertiefe von entscheidender Bedeutung. Experten empfehlen eine Mindesttiefe von 150 Zentimetern für einen Koiteich. In besonders kalten Regionen oder bei besonders wertvollen Fischen sind 180 bis 200 Zentimeter noch sicherer.
Der Grund liegt in der bereits erwähnten Temperaturschichtung. Je tiefer der Teich, desto stabiler bleiben die Temperaturen am Grund. In sehr flachen Teichen kann das Wasser bei strengem Frost vollständig durchfrieren oder zumindest so stark abkühlen, dass die Koi keine ausreichend warme Zone mehr finden.
Expertentipp: Messen Sie die Wassertemperatur nicht an der Oberfläche, sondern in der Tiefe, in der sich Ihre Koi aufhalten. Verwenden Sie dafür ein Teichthermometer mit langem Kabel oder eine Schwimmboje mit Temperaturanzeige.
Eisfreihalter und Teichheizer – Lebensversicherung für Ihre Koi
Wenn sich eine geschlossene Eisdecke über dem Teich bildet, entsteht ein ernsthaftes Problem: Der Gasaustausch zwischen Wasser und Atmosphäre wird unterbrochen. Kohlendioxid und andere Faulgase können nicht entweichen, während kein frischer Sauerstoff nachgeliefert wird. Diese Situation kann für Ihre Koi schnell lebensbedrohlich werden.
Eisfreihalter sind speziell konzipierte Geräte, die eine kleine Öffnung in der Eisdecke offen halten. Sie arbeiten meist mit einem integrierten Heizelement, das das Wasser in einem begrenzten Bereich knapp über dem Gefrierpunkt hält. Hochwertige Modelle verfügen über einen Thermostat und schalten sich nur bei Bedarf ein, was Energiekosten spart.
Teichheizer gehen einen Schritt weiter und können die Wassertemperatur aktiv erhöhen. Sie kommen vor allem in kleineren Teichen oder bei besonders wertvollen Koibeständen zum Einsatz. Beachten Sie jedoch: Das vollständige Beheizen eines großen Teiches ist energetisch und wirtschaftlich selten sinnvoll.
Hochwertige Teichprodukte für Ihre Koi
In unserem Koi und Teich Shop finden Sie eine große Auswahl an Produkten für die optimale Pflege Ihrer Koi – vom Eisfreihalter über Teichheizer bis hin zu hochwertigem Weizenkeimfutter für die Übergangszeit. Profitieren Sie von unserer langjährigen Erfahrung in der Koipflege.
Die häufigsten Fehler bei der Koi-Überwinterung
Selbst erfahrene Teichbesitzer machen manchmal Fehler, die das Wohlbefinden ihrer Koi im Winter gefährden. Lernen Sie aus den häufigsten Fehlern anderer:
Fehler 1: Fütterung bei kurzzeitigen Warmwetterperioden
Im Winter gibt es oft Tage, an denen die Temperaturen kurzzeitig steigen. Viele Teichbesitzer nutzen diese Phase, um zu füttern. Doch der Stoffwechsel der Koi passt sich nicht innerhalb weniger Stunden an. Das Futter kann nicht verdaut werden und richtet mehr Schaden als Nutzen an.
Fehler 2: Aufhacken der Eisdecke
Schläge auf die Eisoberfläche erzeugen Druckwellen, die sich im Wasser fortpflanzen und die ruhenden Fische erschrecken. Der plötzliche Stress kann bei den geschwächten Tieren zu einem Schock führen. Verwenden Sie stattdessen einen Eisfreihalter oder gießen Sie heißes Wasser auf eine Stelle, um ein Loch zu schmelzen.
Fehler 3: Vernachlässigung der Wasserqualität
Auch im Winter sollten Sie regelmäßig die Wasserwerte überprüfen. Ammoniak und Nitrit können sich anreichern, wenn organisches Material im Teich verrottet. Ein Teilwasserwechsel mit temperiertem Wasser kann hier Abhilfe schaffen.
Fehler 4: Filteranlage zu früh abschalten
Viele Teichbesitzer schalten die Filteranlage komplett ab, sobald es kalt wird. Doch der Filter sorgt auch im Winter für wichtige Wasserbewegung und Sauerstoffanreicherung. Reduzieren Sie die Pumpenleistung, aber lassen Sie das System laufen, solange kein vollständiges Durchfrieren droht.

Koi benötigen auch im Winter sauerstoffreiches Wasser für optimale Gesundheit.
Die Sauerstoffversorgung im zugefrorenen Teich
Sauerstoff ist für das Überleben der Koi unverzichtbar – auch wenn ihr Bedarf im Winter stark reduziert ist. In einem natürlichen Teich tragen verschiedene Faktoren zur Sauerstoffversorgung bei: Wasserpflanzen, die auch unter dem Eis Fotosynthese betreiben, der Gasaustausch über offene Stellen, und die im Herbst eingelagerten Sauerstoffreserven im Wasser.
Problematisch wird es, wenn der Teich vollständig zufriert und gleichzeitig viel organisches Material am Boden fault. Die Fäulnisprozesse verbrauchen Sauerstoff und setzen giftige Gase frei. Ohne Öffnung in der Eisdecke können diese Gase nicht entweichen, und der Sauerstoffgehalt sinkt kontinuierlich.
Praxistipp: Eine Belüfterpumpe, die in der Teichmitte in mittlerer Tiefe installiert wird, sorgt für sanfte Wasserbewegung und verhindert gleichzeitig ein vollständiges Zufrieren. Achten Sie darauf, dass die Luftblasen nicht vom Teichgrund aufsteigen – das würde die wärmeren Wasserschichten aufwirbeln.
Vorbereitung auf den Winter – Was Sie im Herbst tun sollten
Eine gute Überwinterung beginnt bereits im Herbst. Die folgenden Maßnahmen helfen Ihren Koi, gesund durch die kalte Jahreszeit zu kommen:
Laub und organisches Material entfernen: Falllaub im Teich ist der größte Feind einer erfolgreichen Überwinterung. Es sinkt auf den Grund, zersetzt sich und verbraucht dabei Sauerstoff. Installieren Sie rechtzeitig ein Laubnetz über dem Teich und entfernen Sie regelmäßig Blätter von der Wasseroberfläche.
Energiereserven aufbauen: Im Herbst, wenn die Temperaturen noch zwischen 10 und 18 Grad liegen, sollten Sie Ihren Koi hochwertiges, energiereiches Futter anbieten. Spezielles Herbstfutter mit erhöhtem Fettgehalt hilft den Fischen, die nötigen Reserven für den Winter anzulegen.
Gesundheitscheck durchführen: Untersuchen Sie Ihre Koi auf Anzeichen von Krankheiten oder Parasitenbefall. Ein kranker Fisch hat deutlich schlechtere Chancen, den Winter zu überstehen. Bei Auffälligkeiten konsultieren Sie einen spezialisierten Tierarzt.
Teichtechnik überprüfen: Kontrollieren Sie Pumpen, Filter und Heizgeräte auf ihre Funktionsfähigkeit. Ein Defekt mitten im Winter kann verheerende Folgen haben. Halten Sie Ersatzteile bereit oder tauschen Sie alte Geräte vorsorglich aus.
Die Frühjahrsaktivierung – Der richtige Start nach der Winterruhe
Ebenso wichtig wie die Wintervorbereitung ist das richtige Aufwecken der Koi im Frühjahr. Wenn die Wassertemperaturen langsam steigen, erwachen die Fische allmählich aus ihrer Starre. Dieser Prozess sollte nicht beschleunigt werden.
Beginnen Sie mit der Fütterung erst, wenn die Wassertemperatur stabil über 10 Grad liegt – nicht nur für ein paar Stunden, sondern über mehrere Tage hinweg. Starten Sie mit leicht verdaulichem Weizenkeimfutter in kleinen Mengen. Der Verdauungstrakt muss sich erst wieder an die Nahrungsaufnahme gewöhnen.
Beobachten Sie Ihre Fische in den ersten Wochen nach der Winterruhe besonders aufmerksam. Das Immunsystem ist jetzt am schwächsten, und Krankheiten können sich schnell ausbreiten. Achten Sie auf Verhaltensänderungen, Hautveränderungen oder Appetitlosigkeit.
Besondere Situationen – Wenn der Winter Probleme macht
Stromausfall bei Frost: Ein Stromausfall im tiefsten Winter kann katastrophal sein. Die Filteranlage stoppt, der Eisfreihalter funktioniert nicht mehr, und innerhalb weniger Stunden kann der Teich vollständig zufrieren. Halten Sie für Notfälle einen batteriebetriebenen Luftsprudler bereit und prüfen Sie, ob ein Notstromaggregat sinnvoll ist.
Kranke Fische im Winter: Entdecken Sie im Winter einen kranken Koi, stehen Sie vor einem Dilemma. Medikamente wirken bei niedrigen Temperaturen kaum, und jede Behandlung bedeutet zusätzlichen Stress. In vielen Fällen ist es besser, den Fisch zu isolieren und auf wärmere Temperaturen zu warten – sofern der Zustand es erlaubt.
Besonders strenge Winter: In extrem kalten Wintern mit langanhaltenden Frostperioden kann selbst ein tiefer Teich an seine Grenzen stoßen. Erwägen Sie in solchen Fällen zusätzliche Heizmaßnahmen oder – wenn möglich – das Umsiedeln besonders wertvoller Fische in ein Innenbecken.
Optimale Vorbereitung für den Winter
Die richtige Vorbereitung auf den Winter beginnt mit hochwertigem Herbstfutter und der passenden Teichausrüstung. In unserem Online-Shop finden Sie spezielles Koifutter für die Übergangszeit sowie alle wichtigen Produkte für die sichere Überwinterung Ihrer Fische.
Zusammenfassung – Die wichtigsten Regeln für die Koi-Überwinterung
Die Überwinterung von Koi im Gartenteich erfordert Wissen, Vorbereitung und die richtige Ausstattung. Fassen wir die wichtigsten Punkte zusammen:
- Koi sind wechselwarm und verfallen bei sinkenden Temperaturen in einen Ruhezustand
- Unter 8 Grad Celsius darf nicht mehr gefüttert werden – die Verdauung funktioniert nicht mehr
- Eine Teichtiefe von mindestens 150 Zentimetern ist für die sichere Überwinterung erforderlich
- Ein Eisfreihalter oder Teichheizer sorgt für den lebenswichtigen Gasaustausch
- Im Herbst müssen die Fische Energiereserven aufbauen und der Teich muss von Laub befreit werden
- Die Filteranlage sollte auch im Winter weiterlaufen, wenn auch mit reduzierter Leistung
- Im Frühjahr langsam mit der Fütterung beginnen und die Fische genau beobachten
Mit diesem Wissen und der richtigen Pflege werden Ihre Koi auch strenge Winter sicher überstehen und Sie im Frühjahr wieder mit ihrer Schönheit und Vitalität erfreuen. Bedenken Sie: Jeder Euro, den Sie in die Wintervorbereitung investieren, ist eine Investition in die Gesundheit und Langlebigkeit Ihrer wertvollen Fische.




