Tutorial: Garnelenbecken einrichten (Teil 2) – Einsetzen der Garnelen

Unser Garnelenbecken ist fertig eingerichtet und wartet auf die neuen Bewohner. Jeden Tag messen wir die Wasserwerte und, obwohl diese bereits nach einer Woche in Ordnung sind, warten wir mit der Bestellung der Tiere weitere zwei Wochen ab. Wir sind zwar total ungeduldig und gespannt, fassen uns jedoch in Geduld. Wir wissen: Das Becken soll eingefahren werden, das Wasser soll leben, der Filter soll neben der mechanischen auch die biologische Reinigung gewährleisten.

Wasserwerte, gemessen am Tag der Bestellung

Wasserwerte, gemessen am Tag der Bestellung

Auch die Pflanzen brauchen Zeit, um sich einzuleben und am neuen Standort anzuwachsen. Es dauert also, aber das Warten lohnt sich. Wir wollen letztlich, dass sich die Garnelen im Becken wohl fühlen und ein langes, glücklichen Krustenleben führen.

Dem Wasser werden in regelmäßigen Abständen Pflegemittel wie der Wasseraufbereiter sowie der Tagesdünger– ausschließlich speziell für ein Garnelenbecken konzipiert – beigefügt. Auch die spezielle Mischung aus Vitaminen, Spurenelementen und weiteren Vitalstoffen für Garnelen „Crusta-Fit“ von Dennerle fangen wir an, etwa eine Woche vor dem geplanten Einzug der Krebstierchen in Wasser zu geben.

Die Zeit ist reif für das Einsetzen der Garnelen und Schnecken

Endlich ist er gekommen, der Augenblick, an dem wir die Bestellung für die Garnelen und Schnecken im Online-Shop bachflohkrebse.de aufgeben. Nach dem Start sind bereits drei Wochen vergangen – das Becken ist bezugsfertig.

Die Wasserwerte werden wieder gemessen (siehe Foto).

Im Wasser ist kein Chlor mehr nachweisbar, die Gesamt- und Karbonathärte entspricht der Norm. Aufgrund der leichten Verzerrung von Farben ist leider nicht genau zu erkennen, dass auch andere Werte im grünen Bereich liegen.

Dafür, dass es im Wasser keine Spuren von Schwermetallen wie Kupfer gibt, haben wir durch den Kauf von garnelentauglichem Becken, Wasserpflanzen und das Befüllen ausschließlich mit kaltem Wasser gesorgt.

Wir entscheiden uns für die Tiger!

Nun ist eine wichtige Entscheidung zu treffen: Wollen wir, wie ursprünglich geplant, einen Mix aus diversen Neocaridina bzw. Caridina davidi-Arten bestellen oder uns auf nur eine Garnelen-Art beschränken.

Nach einigem Hin und Her entschließen wir uns für ein reines Artenbecken und kaufen 20 Tigergarnelen OE (Caridina cf. cantonensis Tiger, nach neuerer Systematik Caridina mariae). Der Hauptgrund: Die Zwerggarnelen sind ja miteinander verwandt und kreuzen sich untereinander. Das Ergebnis sind aber nicht unbedingt bildhübsche rote, gelbe oder blaue Garnelen, sondern häufig eher unscheinbare Exemplare. Es kann freilich passieren, dass es auch außergewöhnlich schöne Tiere schlüpfen, die einem Züchter große Freude machen werden. Wir sind jedoch – bisher – nicht an einer Garnelenzucht interessiert. Wir wollen ein Garnelenbecken, in dem es den Krustentieren gut geht, aber auch nicht mehr.

Also „alea jacta est“ und wir fiebern der Ankunft von Tigergarnelen entgegen.

Drei Tage später

So sind die Tiger bei uns eingetroffen. Ordentlich verpackt und quicklebendig

Meine Tiger: Sicher verpackt und quicklebendig

Bereits am nächsten Tag, nachdem die Bestellung im Online-Shop eingegangen war, erreichte uns die Meldung, dass das Paket versandt wurde. Wir haben nicht mit Express bestellt und machten uns daher um das Wohlergehen der kleinen Tiger Sorgen.

Mehr noch, wir waren leicht verzweifelt, als das Paket nicht gleich am Tag darauf eingetroffen war, sondern die Tierchen eine weitere Nacht irgendwo in einer Lagerhalle der Deutschen Post verbringen mussten. Anfang Dezember war es zwar nicht bitterkalt, sommerlich warm war es freilich aber auch nicht.

Nun endlich läutet es und wir halten das wertvolle Styropor-Päckchen in den Händen. Schnell nach oben, ins erste Stockwerk, wo auch das Garnelenbecken steht. Wir machen das Päckchen auf und – alle sind quicklebendig. Sie hüpfen im Wasser, wirken agil und nicht einmal richtig gestresst. Es ist bekannt, dass Krebstiere bei Stress häufig erbleichen (manche Fische übrigens auch), unsere „Nelen“ erscheinen indes in ihrer vollen Tigerpracht.

Mehr Infos über Tigergarnelen
Möchten Sie etwas mehr über die Tigergarnelen erfahren, erhalten Sie in unserem kleinen Garnelen-Ratgeber Infos zu den Süßwassergarnelen und darunter auch zu dieser Art. An dieser Stelle fassen wir für Sie das Wichtigste über die Tigergarnelen zusammen.

Special: Tigergarnelen OE (Caridina cantonensis cf. Tiger Orange Eye, nach neuer Systematik Caridina mariae OE)

Tigergarnele OE

Tigergarnele OE

Die Tigergarnelen werden zwischen 2 und 3,5 Zentimetern groß, ihre Lebensdauer beträgt im Schnitt zwischen 18 und 24 Monaten. Es sind friedliche und ruhige Tiere, die in kleinen Gruppen leben und sich nur in der Gesellschaft von ihresgleichen wohl fühlen. Daher wird empfohlen, eine Gruppe von mindestens 10-15 Krebstieren zu halten. Der Körper der Tigergarnele OE ist entweder transparent oder besitzt eine bläuliche Färbung, die schmalen Streifen sind schwarz. Die Augen, dem Namen entsprechend, orange.

Wie die meisten Süßwassergarnelen, die in den heimischen Becken kultiviert werden, stammen auch die kleinen Tiger aus Süd-Ost-Asien. Dort bewohnen sie warme Bäche, ernähren sich vom Algen- und Bakterienaufwuchs sowie von Detritus. Den ganzen Tag verbringen die geschäftigen Tigergarnelen damit, im Bodengrund nach Fressbarem zu suchen. Körnchen für Körnchen werden mit den kleinen Scheren aufgehoben, abgetastet und die Ausbeute in Richtung Mund befördert. Oder suchen die Tigergarnelen das Falllaub sowie Wasserpflanzen nach Futter ab, das abtastentende Bewegungsmuster bleibt gleich.

Im Video: Typische Beschäftigung einer Süßwassergarnele – Futtersuche

Im Video: Garnelen halten sich gerne in kleineren Gruppen im Becken auf

Die Garnelen benötigen relativ weiches Wasser mit der Karbonathärte zwischen 3°KH und 5° KH sowie der Gesamthärte zwischen 3° dGH und 15° dGH. Zwar weisen diese Krustentiere generell eine relativ hohe Toleranz gegenüber der Wasserhärte auf, in einem zu harten Wasser bekommen sie aber Probleme bei der Häutung. Das Gleiche gilt übrigens für ein zu weiches Wasser.

Tipp: Ist in Ihrer Region das Leitungswasser zu hart, schafft eine Osmoseanlage Abhilfe. Anschließend gilt es, dass Wasser aufzubereiten und mit notwendigen Mineralien anzureichern.

Hinsichtlich der Wassertemperaturen sollen die Tigergarnelen eine hohe Toleranz aufweisen und sich sowohl bei kühlen Temperaturen von 16 Grad Celsius als auch bei wohliger Wärme von 26 Grad Celsius gleich gut fühlen.

Vergesellschaften lassen sich die Tigergarnelen mit friedlichen Fischen, Schnecken und anderen friedliebenden Garnelen. Hier finden Sie einen Blogartikel zur Vergesellschaftung von Garnelen.

Diese Krebstiere sind für Nano-Becken problemlos geeignet. Sie brauchen, wie die meisten Süßwassergarnelen, ein paar Versteckmöglichkeiten und lieben Moose sowie feinfiedrige Pflanzen.

Bei passenden Bedingungen zeigen sich die Mini-Tiger fortpflanzungswillig und füllen das Becken schnell mit ihrem bunten Treiben.

Am Markt sind inzwischen mehrere weitere Varietäten der Tigergarnelen zu finden:

  • Rote Tigergarnele (Caridina mariae „Red“) mit transparentem oder rötlich gefärbtem Körper und orange-roten Streifen;
  • Blaue Tigergarnele OE (Caridina mariae „Blue“) mit leuchtend orangen Augen und intensiv blauen Färbung. Auf dem Rücken weist diese Garnelen häufig rote oder orange Stellen, die schwarzen Streifen sind indes nicht immer gut aufgeprägt;
  • Tigergarnele Galaxy (Caridina mariae „Galaxy“) mit einem originellen Streifen-Strich-Muster;
  • Tigergarnelen Super (Caridina mariae „Super-Tiger“) mit orangenfarbigen Telson und Rostrum sowie breiten, gut ausgeprägten Streifen;
  • Raccoon Tigergarnele (Caridina mariae „Raccoon“) mit schwarzen breiten Streifen und roten bzw. orangen Punkten.

Neue Züchtungen kommen immer wieder in den Handel, oft sind es Importe aus Süd-Ost-Asien, indes sind auch europäische, darunter auch deutsche Nachzuchten keine Seltenheit mehr.

Kleine Tiger ziehen ein

Unsere 20 Tigergarnelen OE sind als bis auf die eine topfit und bereit umzuziehen. Jedoch so schnell klappt es nicht, bei dem Umzug ist Geduld angesagt. Eile ist hier keineswegs geboten, denn es kann den empfindlichen Tieren das Leben kosten.

Zuerst ziehen die Tigergarnelen in einen leeren kleinen Plastikeimer um – zusammen mit dem Wasser. Hier erholen sie sich eine Weile vom Umzugsstress und bereiten sich auf die nächste Etappe vor.

Umziehen – Schritt für Schritt

Umziehen – Schritt für Schritt

Nach einer Stunde fängt der Umzug so ganz langsam an. Dafür entnehmen wir mit einem sauberen Glas etwas Aquarienwasser und geben das Wasser in den Eimer mit Garnelen. Aus dem Eimer entnehmen wir ebenfalls etwas – ungefähr ein halbes Glas – Wasser und leeren es ins Aquarium aus.

Nach einer weiteren Stunde Wartezeit wird diese Prozedur noch einmal wiederholt. Dann noch einmal und immer wieder – mit einem Intervall von ungefähr einer Zeitstunde. Warum tun wir das? Um die Krustentiere an das neue Wasser zu gewöhnen, das sich mit Sicherheit vom Wasser in ihrem heimischen Becken unterscheidet.

Weitere Informationen sowie eine ausführliche Anleitung für den Garnelenumzug liefern Ihnen unsere Ratgeberartikel.

Der Umzug dauert also den ganzen Nachmittag bis tief in den Abend hinein, mindestens sieben Stunden.

Doch endlich kommt sie, die Zeit, unsere Mini-Tiger in ihr neues Zuhause umzusiedeln. Dafür fangen wir sie einzeln oder paarweise, wie es gerade kommt, mit dem Kescher und entlassen ins Becken.

Bitte sehr vorsichtig!
Hinweis: Es gilt hier größtmögliche Vorsicht einzuhalten, denn die Krebstiere verstehen freilich nicht, was auf sie zukommt. Sie versuchen zu entkommen und zwar nicht nur im Wasser, sondern auch nachdem sie aus dem Wasser gezogen werden. Sie hüpfen und springen wie kleine Fischchen. Wehe, eine fällt auf den Boden – es wird alles andere als einfach sein, das arme Tierchen aufzulesen.

Zum Glück ist uns kein „Malheur“ passiert, alle Tigergarnelen sind heile umgezogen.

 

Nach einer kurzen Weile sehen wir die Krebstiere nicht nur auf den Pflanzen, sondern auch auf dem Bodengrund, den sie fleißig umgraben. Einige erkunden gespannt ihr Röhrchen-Versteck, andere entdecken recht schnell das halbe Catappa-Blatt.

Catappa-Blätter gehören in jedes Garnelen-Aquarium

Catappa-Blätter gehören in jedes Garnelen-Aquarium

Die Blätter von dem Katappenbaum, Catappa oder Seemandelbaum sind in jeder Hinsicht beliebt, denn einerseits ernähren sich die Süßwassergarnelen gerne von dem Bakterien- und Aufwuchs auf dem Falllaub, andererseits dienen die weichen Teile vom Blatt selbst als Nahrungsquelle. Drittens besitzen die Catappablätter eine antibakterielle Wirkung und reinigen dadurch das Wasser. Auch Falllaub aus dem Wald darf gerne verfüttert werden, muss lediglich gründlich gereinigt, am liebsten abgebrüht werden. Wir begnügen uns jedoch für den Start mit dem gekauften Blatt.

Zwischenstopp – Die Garnelen fühlen sich wohl

Unsere Tigergarnelen fühlen sich im Großen und Ganzen wohl. Sie bekommen das Algenfutter von Dennerle, das auch zusammen mit dem Becken im Paket ankam. Ein Stück Gurke durften sie auch kosten. Sobald Gurke im Becken landet, versammeln gleich ein paar Garnelen um dieses Büfett und laben sich am säuerlichen, leckeren Gemüse. Am nächsten Tag entfernen wir die Gurke aus dem Becken, um die Wasserqualität nicht zu gefährden.

Bereits nach zwei Tagen im neuen Zuhause häutete sich die erste Garnele.

Exuvien sind nahrhaft und müssen nicht sofort entsorgt werden

Exuvien sind nahrhaft und müssen nicht sofort entsorgt werden

Jeden Tag finden wir Exuvien, die abgeworfenen Panzer, auf dem Boden. Sie sehen wie eine filigrane 3D-Kopie einer Garnele aus, denn abgeworfen wird das gesamte Exoskelett, das Fühler, Beine und sogar die Kiemen umgibt. Die Exuvien enthalten wichtige Mineralien und werden von den Garnelen zum Teil verwertet. Daher sind die abgeworfenen Skelette nicht sofort zu entfernen, erst sobald sie zu schimmeln beginnen.

Noch eine Anmerkung zur Wassertemperatur. Zunächst stellten wir den Heizstab auf 18 Grad ein.

Uns ist es zu kalt!

Uns ist es zu kalt!

Als wir jedoch eine große Garnelenansammlung darauf entdeckten, wurde es uns klar, dass diese Temperatur wohl zu niedrig ist. Also stellten wir die Heizung auf 24 Grad hoch, wovon der Heizstab, obwohl sogar für größere Aquarien konzipiert, lediglich 23 Grad meistert. Nun, diese Wassertemperatur scheint den Garnelen besser zu gefallen. Sie lösen sich von dem Heizstab und gehen auf die Futtersuche. Einige kehren immer wieder zur Wärmequelle zurück.

Wärme wird geschätzt

Wärme wird geschätzt

Eine oder andere Garnele ruht sich immer wieder auf dem wohlig-warmen Heizstab aus.

Die Krustentiere schwimmen insgesamt nicht sonderlich aktiv, jedenfalls tagsüber. Wenn wir dagegen morgens das Licht anmachen, entdecken wir immer mehrere Tiger, die gerade am Schwimmen sind. Ansonsten halten sie sich mit Vorliebe auf dem Bodengrund und Pflanzen auf.

Einige Verluste mussten wir leider doch einfahren. Eine der Zwerggarnelen klemmte sich wohl zwischen der Glasscheibe und dem Filter ein und kam nicht mehr heraus. Zwei verstarben zwei Tage später, die Ursache konnten wir nicht feststellen.

Gruß von unseren kleinen Tigern!

Gruß von unseren kleinen Tigern!

Doch alles in allem geht es den Krebstieren jetzt, nach zwei Wochen, gut. Auch die Baby-Blasenschnecken sind geschlüpft und eifrig dabei, Reste zu verwerten.

Wir werden Sie auf dem Laufenden halten und über unser Garnelenprojekt immer wieder informieren. Seien Sie gespannt auf die Fortsetzung der Garnelenstory! Wir werden weiter berichten.

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