Garnelen sterben – Was ist nun mit ihnen los?

Es fängt vielversprechend an, das neue Becken ist eingefahren, die Garnelen sind eingezogen und haben bereits Nachwuchs. Und plötzlich verkümmert eine oder andere, dann liegt schon die erste Leiche auf dem Boden. Am nächsten Tag sind es bereits zwei tote Tiere, innerhalb von einer Woche wurde der gesamte Besatz dahingerafft. Enttäuschend, aber auch rätselhaft. Sie haben doch alles richtig gemacht, oder? Wir klären auf.

Fehler vermeiden – Prophylaxe der Garnelen-Krankheiten

Gesunde Hummelgarnelen

Gesunde Hummelgarnelen

Nicht alle, aber nachweislich recht viele Ursachen vom Garnelensterben liegen in der falschen Haltung. Daher haben wir in unserem Beitrag zur Pflege eines Garnelenbeckens auf die typischen Fehler hingewiesen, darunter:

  • Übermäßige Fütterung,
  • Überbesatz,
  • fehlende Kontrolle der Wasserwerte,
  • mangelnde Hygiene

Beachten Sie bitte außerdem, dass tote Tiere zu entfernen sind. Werden die toten Garnelen von ihren Artgenossinnen verspeist, stecken sich diese womöglich an und erkranken. Vorsorgen ist immer einfacher und auch günstiger, als eine langwierige Behandlung mit einem unsicheren Ausgang.

Pilzinfektionen

In jedem Becken leben, meist unbemerkt, Millionen Pilze. Die meisten sind für Tiere und Pflanzen ungefährlich, die gefährlichen hält ein gesunder Organismus im Schach. Eine Störung der Balance im Becken schwächt die Tiere ab und kann ein günstiges Milieu für die Ausbreitung von Pilzen erschaffen. Die Folge sind diverse lebensgefährliche Pilzerkrankungen. Wenn eine Garnele oder ihr Gelege, das an den Schwimmbeinen klebt, von einem weißlichen Teppich bedeckt ist, heißt das höchstwahrscheinlich – eine Pilzinfektion ist ausgebrochen.

Unbehandelt führt diese Krankheit zum Tode des Tieres und breitet sich übrigens rasant aus. Ein anderes Symptom können die sogenannten „Rostflecken“ am Körper und Beinen der Garnelen sein. Auch die „Rostkrankheit“ ist eine Pilzinfektionen und verläuft nicht selten tödlich.

Behandlungsmöglichkeiten

Das erkrankte Tier muss in einem Quarantänebecken (5 bis 10 Liter) isoliert werden.

Dieses Becken richten Sie folgendermaßen ein:

  • Etwas Grund
  • Ein Sprudelstein und Wasser aus dem großen Becken

Mehr nicht, denn Sie müssen ja das Tierchen beobachten können. Ins Becken legen Sie mehrere Erlenzapfen, da sie eine antibakterielle und antimykotische Wirkung besitzen. Pro 5 Liter 1 Teelöffel Kochsalz (nicht jodiert), eventuell noch Wasserstoffperoxid im Verhältnis 1 Milliliter pro 5 Liter Wasservolumen. Jetzt gilt es abzuwarten. Diese Methode verspricht keinen 100-prozentigen Erfolg, doch laut mehreren Garnelenhaltern gibt es für die behandelnde Garnele nun Hoffnung.

Nachdem die äußeren Symptome verschwunden sind, warten Sie noch ein paar Tage ab, bevor Sie die Garnele zurück ins große Becken umsetzen. Im Becken ist übrigens ein Wasserwechsel angesagt: Unser Vorschlag ist alle drei Tage jeweils 50 Prozent des Volumens.

Bakterielle Infektionen

Orange Fire im Garnelenaquarium

Orange Fire im Garnelenaquarium

Eine Garnele, die wie ein Schatten ihrer selbst aussieht und passiv wirkt, ist womöglich an einer bakteriellen Infektion erkrankt. Die befallenen Tiere verfärben sich weiß und verkümmern schnell.

Behandlungsmöglichkeiten

Genau so wie bei einer Pilzinfektion ist das kranke Tier in einem Quarantänebecken von den Artgenossen zu isolieren. Erlenzapfen können auf eine natürliche Art und Weise Abhilfe schaffen, ansonsten sind Antibiotika, die freilich auch für Wirbellose zugelassen sein sollen, zu empfehlen. Während der Behandlung ist die Patientin äußerst sparsam zu füttern. Im großen Becken ist ein mehrfacher Wasserwechsel fällig. Erst wenn die Garnele gesund wirkt und das seit einigen Tagen, darf sie zurück zu ihrem Schwarm.

Milch- oder Beulenkrankheit

Diese Krankheit ist für Fische und Garnelen gleichermaßen gefährlich und wird von den Parasiten Myxosporidien hervorgerufen. Auf dem Chitin-Panzer sind milchig-weiße Flecken oder Beulen zu sehen, diese werden mit der Zeit größer, so dass das gesamte Tier erbleicht. Unbehandelt, verläuft die Krankheit tödlich. Bisher können kaum Erfolge bei der Behandlung verzeichnet werden. In jedem Fall muss das befallene Tier von den anderen getrennt werden. Auch tote Garnelen sind gleich zu entsorgen und das Wasser mehrmals zu wechseln.

Weitere Parasiten

Unzureichende Hygiene kann außerdem zu einem Befall mit weiteren Parasiten führen. Aus Platzgründen können wir nicht auf alle Parasitenarten eingehen, aber einige meist verbreiteten stellen wir Ihnen vor.

Saugwürmer (Scutariella)

Sie sehen wie mikroskopisch kleine Auswüchse an den Kiemen, Antennen und am Rostrum aus. Ein geringer Befall kann harmlos sein, es lohnt sich aber, in jedem Fall eine Behandlung einzuleiten. Als die erfolgreichste Behandlungsmethode empfehlen wir Ihnen zusammen mit vielen Haltern und Züchtern das Mittel „Tremazol“ von Sera, das freilich streng nach der Gebrauchsanweisung einzusetzen ist. Denken Sie auch bitte daran, bei jeder Behandlung mehrere male das Wasser zu wechseln!

Nematoden, Hakenwürmer

Diese Parasiten nisten sich vorwiegend im Darm ein und ernähren sich vom Blut des Wirts. Wie auch für die meisten anderen ungebetenen Bewohner, gilt auch für die Nematoden: Ein geringer Befall ist ungefährlich, bei einem starken Befall droht der Tod. Problematisch ist bei den Hakenwürmern, dass sie sich im Inneren des Tieres befinden und somit oft keine äußeren Symptome festzustellen sind. Als ein zuverlässiges Mittel eignet sich wiederum „Tremazol“ von Sera oder „Gyrodol“ von JBL. Die Behandlung ist in der Regel mehrfach zu wiederholen, um die Plage endgültig los zu werden.

Black Gill Disease (BGD)

Besonders bei durchsichtigen Exemplaren oder Arten ist manchmal zu sehen, dass sich die Kiemen dunkel verfärben. Genannt wird dieses Krankheitsbild Black Gill Disease – Schwarze-Kiemen-Krankheit – und ist allerdings keine Krankheit, sondern ein Symptom von unterschiedlichen Erkrankungen. Es kann sich zum einen um eine Schwermetallvergiftung handeln, die Verfärbung der Kiemen kann aber auch an einer zu hohen Eisenkonzentration im Wasser liegen. Drittens gehören diverse Pilz- oder Vireninfektionen zu den möglichen Ursachen von BGD.

Behandlungsmöglichkeiten

Zur Sicherheit ist die betroffene Süßwassergarnele in ein Quarantänebecken zu überführen und im Hauptbecken ist das Wasser mehrfach zu wechseln. Auf die Wasserwerte sollen Sie dabei ganz besonders achten! Abhilfe können handelsübliche Medikamente, vor allem Antibiotika, leisten. Falls die Verfärbung auf unsauberes Wasser zurück zu führen war, sind die Ablagerungen an den Kiemen im sauberen Wasser schnell verschwunden. In jedem Fall empfiehlt es sich, mehrere Tage abzuwarten, bevor die Garnele zurück ins Becken umziehen darf.

Nekrosen

Als eine Nekrose wird das Absterben vom Gewebe bezeichnet, dabei je nach der Körperpartie werden zum Beispiel Muskelnekrosen, Kiemennekrosen oder Augennekrosen unterschieden. Nekrose ist keine selbständige Krankheit, sondern vor allem ein Symptom von mehreren Erkrankungen. Entzündet sich das Gewebe nach einer Verletzung, kann es zu einer schweren Nekrose führen. Aber auch Pilzbefall und bakterielle Infektionen können zum Absterben vom Gewebe führen. In einem fortgeschrittenen Stadium kann das Tier nicht mehr gerettet werden. Ansonsten helfen, wie in den meisten Fällen, eine längere Quarantäne und Behandlung mit antibakteriellen und antimykotischen Medikamenten.

Summa summarum bleibt festzuhalten, dass die Süßwassergarnelen, obschon robust, doch gegenüber Krankheiten nicht immun sind. Für die meisten Erkrankungen gibt es mehr oder weniger wirksame Behandlungsmethoden. Erfahrungswerte sprechen dafür, dass eine fachgerechte Pflege des Aquariums die beste und günstigste Vorsorge darstellt.

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